Ich kam aus Namibia und fand im „Häusle“ ein zweites Zuhause.

— Giselher Hoffmann, Stipendiat 2004

Zum Tod des Mundartdichters Helmut Pfisterer

Lieber Helmut:
“A saumäßig herzlichs Danggschee”

Stuttgarter Schriftstellerhaus

„DANKE! – SCHÖ GWÄ – OINAWEG NEMME!“ Die Zeile aus dem Gedicht „A Weile voram Schluss“ aus seinem letzten, 2005 erschienenen Buch, lässt sich als Abschiedsgruß verstehen. So sehr Helmut Pfisterer dem Leben, einem prallen, sinnlichen, fröhlichen Leben zugetan war, wusste er doch um sein Ende; zugleich Vitalität und Lebensfreude zu preisen und das Alter mit seinen Gebresten nicht zu verschweigen, sich zärtlich der Kindheit zu erinnern und ironisch die Grablegung vorzustellen – dies war die große Kunst dieses weisen Philosophen.

Als Mundartdichter längst aus dem Schatten von Sebastian Blau oder Thaddäus Troll herausgetreten, hat er sich in zahlreichen Büchern, Hörspielen und Szenen mit dem Schwäbischen, dessen Dialektik, Subtilität und sprachlichen Doppelbödigkeiten beschäftigt. Ein Genuss waren seine öffentlichen Auftritte, bei denen man schmunzeln oder Tränen lachen konnte, aber auch im privaten Gespräch wurden, nach kurzem oder längerem, gemächlichen Überlegen hervorgebracht, viele Formulierungen zum perfekten Aphorismus.

„Wenn da von Leonberg nach Eltinga kommsch / hosch, wenn da hoimgohsch / Tascha voll / mit laudr neie Wörter / grauziche drbei“: Ein Wortesammler war Helmut Pfisterer wohl schon von Kindesbeinen an, doch zum Dichter wurde er erst später. 1931 in Leonberg geboren, war er zunächst Feinmechaniker und Ingenieur, dann Berufsschullehrer im Iran und Afghanistan, wo er Geschichten sammelte und seine Liebe zur eigenen Mundart, der „Weltsprache Schwäbisch“, entdeckte. Seither schrieb er parallel zu seiner Tätigkeit als Oberstudienrat in Stuttgart, fand sogar die Zeit, sich als Vorsitzender im baden-württembergischen Schriftstellerverband, im Förderkreis und im Schriftstellerhaus für die Belange der Kollegen zu engagieren.

1991 erhielt Helmut Pfisterer den Schubart-Preis der Stadt Aalen, 1994 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2002 die erstmals vergebene Sebastian-Seiler-Medaille des Schwäbischen Albvereins in Würdigung seiner Bücher, die meistens bescheiden als „Festvers“ oder „Brauchvers“ daherkommen, die aber keineswegs Anlassgedichte, sondern köstliche Sprachspielereien oder nachdenkliche, aus Lebenserfahrung gespeiste Texte enthalten, immer changierend zwischen Witz – „En Himmel soll i? En mei Hos will i nei!“ und Weisheit: „Erschd wenn schdirbsch kabiersch s Leba.”

Gestern Morgen ist Helmut Pfisterer im Alter von 79 Jahren in Stuttgart gestorben. Irene Ferchl


Die Trauerfeier findet am Freitag, 17. Dezember 2010, um 11.00 Uhr auf dem Waldfriedhof Stuttgart statt.

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