
Luca Kieser ist gebürtiger Tübinger und lebt seit über zwölf Jahren in Wien. Seine beiden Romane Weil da war etwas im Wasser und Pink Elephant waren unter anderem für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurden vom Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet. Von Mai bis Juli ist er Stipendiat am Stuttgarter Schriftstellerhaus und gibt hier einen kleinen Einblick in seine Arbeit.
An welchen Projekten arbeitest du während deines Aufenthalts im Stuttgarter Schriftstellerhaus?
Die ersten Wochen habe ich noch mit meinem kommenden Roman verbracht, Simsalabim, Simon Brenner wird Ende August erscheinen. Seit vergangener Woche kann ich aber endlich das angehen, wofür ich nach Stuttgart gekommen bin: Und zwar werde ich nun zu Mariaberg arbeiten. Das ist ein Ort auf der Schwäbischen Alb, an dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen in einer dorfähnlichen Struktur zusammenleben. Mein Vater ist dort in den Sechziger Jahren als Sohn des Bäckers aufgewachsen – und neben diesem persönlichen Bezug ist es einfach ein unglaublich spannender und geschichtsträchtiger Ort.
Was verbindest du mit der Region in und um Stuttgart?
Ich bin hier aufgewachsen – mit großer Liebe zum VfB – aber inzwischen ja schon lange weg. Von daher sind die drei Monate am Schriftstellerhaus für mich auch die Gelegenheit, endlich einmal das literarische Stuttgart kennenzulernen (und mal wieder gute Butterbrezeln und Maultaschen zu essen.)
Welche Eigenschaften braucht eine vielschichtige Romanfigur?
Vielschichtigkeit besteht wahrscheinlich vor allem aus Ambivalenzen. Die lege ich jedenfalls bewusst in meinen Figuren an – aber dass man damit eine tolle Figur schafft, ist auch ein ziemlicher Allgemeinplatz. Bei der Arbeit an Figuren sage ich mir oft, dass sie ja nicht auf dem Papier stattfinden, sondern in der Rezeption. Natürlich denke ich viel über sie nach, entwickle eine Backstory usw., aber die eigentliche Kunst besteht darin, einige Momente zu finden, die bei den Lesenden ein tiefes Verständnis für die Figur auslöst. Das kann ein Detail an der Kleidung sein oder etwas in ihrer Geschichte. Oft ist es etwas sehr Kleines, was große Kraft entfaltet.
Mehr Informationen über Luca Kieser und seine aktuellen Arbeiten finden Sie auf seiner Homepage unter https://lucakieser.de
Text: Redaktion
Foto: Ina Aydogan


