Schöpferisch und friedlich war mein Leben im Schriftstellerhaus. Mit Schwermut verlasse ich den Ort.

— Fuad Rifka, Lyriker, Hölderlin-Spezialist aus Beirut, 2002

Wir trauern um Christine Brunner

Christine Brunner Foto: Stadt Stuttgart

Mit großer Bestürzung haben wir gestern vom plötzlichen Tod unserer geschätzten Kollegin, Christine Brunner, erfahren. Seit 2013 war Christine Brunner die Direktorin der zentralen Stadtbibliothek am Mailänder Platz sowie der vielen Außenstellen. Alle Menschen in Stuttgart, die mit Literatur, Wissen und Bildung zu tun hatten, haben Frau Brunner gekannt und ihr freundliches Wesen, ihre große Sachkompetenz und ihr vorbildliches Auftreten über viele Jahrzehnte erleben können.
Auch das Stuttgarter Schriftstellerhaus durfte wie zuvor schon unter der Leitung von Ingrid Bussmann, die einige Jahre nach ihrer Pensionierung noch die erste Vorsitzende unseres Vereins gewesen ist, in der Stadtbibliothek zu Gast sein und wurde vom Team immer wunderbar unterstützt. Nicht wenige Male war Christine Brunner auch persönlich anwesend.
Dieses offene, vielseitige Haus ist unter der Leitung der beiden Damen Bussmann und Brunner zu einem wahren Magneten in der Stadt geworden. In den Räumen der Bibliothek durfte man zur Ruhe kommen, nach Herzenslust in den Büchern und neuen Medien stöbern, arbeiten und nachdenken und wusste sich behütet von der Leitung und dem Team.
Wir verlieren mit Christine Brunner eine wirkliche Dame mit großer Ausstrahlung. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.
Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 27. Dezember 2018 um 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Stuttgart-Weilimdorf statt. AB

 

Ausstellung Fotos Roland Bauer: “Bäuerliche Lebensformen sterben mit den alten Leuten”

1982 legt Roland Bauer als Absolvent der Fachhochschule für Fotografie Dortmund seine Examensarbeit vor: „Bäuerliche Lebensformen sterben mit den alten Leuten”.

Authentizität ist der Impuls der Zeit, Dokumentation, Bestandsaufnahme von Wirklichkeit. In einem Kocherseitental kristallisiert sich sein Thema aus – auf Kodak Barytpapier ­– in der Existenz und Bekanntschaft eines alten, kleinbäuerlich wirtschaftenden Geschwisterpaars.

Die Arbeit macht Furore, erhält den Kodak Fotobuchpreis 1983, wird verlegt. Zwei Auflagen sind schnell vergriffen, der Band ist seit Jahren nicht mehr verfügbar. 2012 endlich eine Neuedition.

Die Distanz von 30 Jahren versucht ein Text von Gilbert Fels auszuloten: „Was aber bleibt”.
Fotos und Text sind ab dem 26. November bis zum 20. Dezember 2018 zu sehen im Schriftstellerhaus, Mo-Do von 16-18 Uhr.

Thaddäus-Troll-Preis 2018 an Kai Wieland für “Amerika”

Der 1989 in Backnang geborene Kai Wieland studierte Buchwissenschaft an der LMU in München und arbeitet seit 2016 für ein Verlagsbüro in Stuttgart. Mit “Amerika” wurde er Finalist beim Preis der Literaturblogger “Blogbuster”. Denis Scheck schrieb über ihn: “Ein schwäbischer William Faulkner, der zur Entdeckung einlädt.”

Die Jury des Förderkreises schreibt in ihrer Begründung: “In diesem Kaleisdoskop eines verlorenen schwäbischen Dorfes namens Rillingsbach verknüpft der Autor eine Handvoll Schicksale zu einer Chronik, die sich nicht damit brüstet, die einzig wahrhaftige Darstellung der Ereignisse zu sein. Der “Chronist”, der allein mit dieser sperrigen Bezeichnung im Buch auskommen muss, begibt sich aus unbekannten Gründen auf die Jagd nach Typen und Geschichten in dieser gottverlassenen Gegend zwischen Murrhardt und Backnang, und er begibt sich mitten hinein die Brutstätte jeder Legendenbildung, in die Dorfwirtschaft. Hier trifft er auf die oft schon aufgewärmten Erinnerungen an Kriegs- und Nachkriegszeiten, er begegnet Kopfschlächtern, Nazis, Sängern, Dichtern, wilder Dorfschönheit, Rebellen, verpassten Gelegenheiten und unausgelebten Träumen. Kai Wieland gelingt in “Amerika” eine fein austarierte Melange aus sachlich bilanzierendem Ton, sensiblen Beobachtungen und trockenem Witz und gibt so einer viel erzählten Zeit ein anderes Gesicht.” Weiterlesen »

Schriftstellerhaus unterstützt die Aktion Vielfalt

Foto: Michael Seehoff

Das Schriftstellerhaus hat sich der von den Anstiftern und der Stiftung Geißstraße 7 initiierten Aktion Vielfalt – 0711 für Menschenrechte angeschlossen. So gut wie alle Kultureinrichtungen der Stadt unterstützen diese Aktion, die mit Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionsabende, Filmvorführungen etc. auf die Formulierung der Menschenrechte vor siebzig Jahren hinweisen will.

Mittlerweile sind 226 Organisationen dem Bündnis beigetreten. Einen Monat lang werden die Menschenrechte in den Blick der Zivilgesellschaft gerückt.

Die Auftaktveranstaltung wird am 14. November um 19 Uhr im Rathaus stattfinden. Den Abschluss bildet der Festvortrag der diesjährigen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Professorin Aleida Assmann, im Stadtpalais Stuttgart.

Alle Veranstaltungen sind auf der Webseite www.0711menschenrechte.de veröffentlicht.

Ausstellung der Künstlerbücher von Linienscharen

Für 2018 haben sich Linienscharen für ein anderes als das herkömmliche Ausstellungsformat entschieden. In einer Ausschreibung wurden Künstler*innen gebeten, ein Buchprojekt im Sinne eines Künstlerbuchs einzureichen, das an verschiedenen, nicht nur für bildende Kunst typischen Orten, einer breiteren Öffentlichkeit zugängig gemacht werden soll.

Zu diesem Zweck wurde ein Schrank gebaut, der die Bücher enthalten wird. Interessierte können die Bücher herausnehmen und anschauen. Mehr als 70 Künstler*innen, die in ihrer Vielfalt einen interessanten Überblick über momentane, auch überregional verortete, zeichnerische Tätigkeiten erlauben, lassen sich dabei entdecken.

 Der Schrank steht vom 22. Oktober bis zum 4. November im Haus und kann unter der Woche werktags von 15-18 Uhr (Mo-Do) besichtigt werden.