Ach du Kanalstraße vier, was tät ich ohne dir!

— Armin Ayren
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Das nahende Ende unserer kleinen Wohngemeinschaft

Liebe Kanalstraßenfangemeinde,

als ich hier ankam, habe ich zur Einstimmung die Blogs meiner Vorgängerinnen gelesen. Alle haben sie gegen Ende hin gejammert. Was und wen sie nicht vermissen würden. Ich weiß noch, wie ich dachte: ich werd mich doch nicht so anheulen. Drei Monate sind ja nur ein Bruchteilleben. Tja. Und nun renne ich seit einer Woche durch die Stadt, um noch mal alle meine gewordenen Wege zu begehen. Ich verschreibe die Vormittage und verplaudere die Nachmittage. Ich probiere immer noch neue Bars aus und bestelle extra Käpsele, nur damit ich das Wort nochmal sagen kann. Ich bin genauso ein Weichling, wie alle vor mir. Eingesülzt. Entsetzlich. Zur Aufheiterung habe ich mir eine Stuttgarter Schaffenschronik erstellt. Ein bissle auch, um mir selbst zu beweisen, dass ich nicht nur im ersten Monat voll fleißig war. Ich habe genug Gedichte für einen kompletten Band geschaffen (exklusive neu herumschwirrende Themenblöcke), eine Handvoll Prosatexte, Kurzgeschichten, nicht zu vergessen die ganzen versandten Gedanken & Briefe und Begegnungsnotizen. Selten habe ich an so einer Textflut parallel gearbeitet und war so rundum zufrieden. Wer mich hier behalten will, darf mich auch gerne wieder einladen. Ich komme bestimmt. Die Netze sind gespannt. Jetzt habt ihr noch eine Kolumne Zeit, dann dürft ihr euch kurz anheulen und schnell wieder freuen über eine neue Hausgeistin. Äh, Gästin. Bis dahin, fröhlichen Frühlingsgbeginn aus der Kanalstraße!

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Wo sind die Dichterinnen?

Die letzten Stipendienwochen sind nicht nur von einer Zeitschwundkrankheit befallen. Nein, dazu kommt auch noch, dass alle plötzlich ihre Stuttgart-Tippliste verdreifachen. Wenn ich alles machen möchte, was mir vorgeschlagen wurde, bräuchte ich bitte noch drei Monate Stipendium, von denen ich ein Monat schreibe und zwei 24/7 unterwegs bin. Kurz. Ich hab schon Abreisepanik. Ich läster daheim nicht mal mehr über den Feinstaub. Wäscht eh der Regen weg, denke ich. Die Stadt sehe ich tagsüber kaum noch, laufe immer nur nachts durch die Gegend und tagsüber haue ich in die Laptoptasten, als kuckten mir alle Dichter in der Wohnung gesammelt über die Schulter. Wenn ich an dieser Stelle mal einen Stipendiatenwohnungsumgestaltungsvorschlag machen dürfte. Ich stelle mir schon seit Beginn die Frage: Wo sind die Dichterinnen? Ich kann als lokale Poetinnen nur jene aufzählen, die ich mir im literarischen Stadtführer begegnet sind. Bitte, erleuchtet mich.

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nur einmal (brezel) fliegenpilz zum frühstück

Liebe (treue) Blogleserinnen und Leser. Ich möchte mich heute einfach einmal bedanken. Immer wieder höre ich, dass mein regelmäßiges Berichten über mein Stuttgarterleben mit Neugier und Freude verfolgt wird. Für mich ist es Reflexion, Chronik, Grundlage für poetische Texte und ein sanfter Druck immer wieder nach außen zu gehen. Mehr kann ich gerade nicht sagen, weil ich bin viel zu aufgeregt & aufgedreht: Mein Gedichtband ist da! Mehr dazu hier. Und ab Montag auch im Buchladen eures Vertrauens, den ihr hoffentlich noch habt. Ansonsten – macht euch schleunigst auf die Suche. Bei Amazon gekaufte Bücher signiere ich nicht. Wunschlos. (Noch) eure Poetin.

ferner fliegenpilze

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EntSCHeidungsschwierigkeiten

In meinem Kopf ein ganzes B-logbuch. Seitdem ich in meinem Herzensstädtle war, hat Stuttgart den Kampf aufgenommen, meine Lieblingshügelstadt zu werden. Sie frühlingt mich hin- und her und bewegt mich zu Sprachspieleinheiten, die mich zu einem Wochenbericht in sch- bewogen haben. Ich hab extra ein bisschen Wien eingebaut, damit ihr auch Mal was von mir lernt:

schreiben, schwimmen, schnurren, schludern, schwätzen, schorlen, schachern, scherzen, schönreden. schaustellen, schlunzen, schlemmern, schlampern, schnurlen, schlingen, schäkern, schimmern, schwärmen, schaffen, schleppern, schlummern, schunkeln, schmaddern, schlazen, schlafen, schlingeln,  schlotzen, schützen, schlängeln, schwindeln, schleimen, schmusen, schimpfen, schlichten, schnarchen,  schustern, schlurfen, schnecken, schlendern, schlecken, schlawinern, schicksein. schäumen, schlüpfen, schnackseln, schneuzen, schasen, schrammeln, schauen, scheppern, schrumpfen, schröpfen, schimmeln, schrecken, schluckauf, schachmatt.

 

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Are you happy?

Heute hab ich den Tag fast noch besser gestartet, als mit Lyrik. Ich habe mir nämlich gleich einen Morgenspaziergang durch den Postregennebel über die Karlshöhe gegönnt und habe dann im Heslacher Schwimmbad meine Runden gedreht, 28, für jedes Lebensjahr eine (ja, meine Geburtstagswoche neigt sich gerade dem Ende zu). Ich genieße anregende Lyrikdiskussionen im Haus, wieder wunderbare Konzerte & Lesungen, auch wenn mich die dichte Luft und die ewigen Wortkklaubereien (Káffee nicht Kaffée, Süppchen aber Sößle) regelmäßig zur Verzweiflung bringen. Immerhin kann ich mittlerweile ganz lässig eine Seele bestellen, mein Schritttempo der Charlottenplatzschen Ampelschaltung anpassen und von diversen Hügeln aus orten, wo ich gerade bin. Stuttgart wird langsam ein Zuhause. Meine Titelfrage habe ich übrigens von meinem Musikvideotipp fürs Wochenende geklaut. Und sollte ich morgen beim Schnurren gekidnappt werden: Stuttgart, es war sehr schön.