Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Schöpferisch und friedlich war mein Leben im Schriftstellerhaus. Mit Schwermut verlasse ich den Ort.

— Fuad Rifka, Lyriker, Hölderlin-Spezialist aus Beirut, 2002

Stuttgart hat Sonne

Stuttgart hat Sonne. Der Nieselregen ist vorbei, der Winter anscheinend auch. Ich sah schon die ersten Leute Eis schleckend im Kino. Ich bin offenbar die Einzige, die immer noch im Schlafsackmantel eingewickelt durch die Stadt friert. Vielleicht schlafe ich auch zu wenig. Das passiert, wenn man ständig ausgeht. Lesung (Max Czollek, Desintegriert euch!), Konzert (Moop Mama), Kino (The Favourite) und dann noch ein Abstecher ins nahe Straßburg. Laptop gegen Schreibbuch getauscht. Nun habe ich genug gesammelt, also ausschlafen und weiter schreiben.

Kuchenkonsum steigend

Gutenmorgen Stuttgart, puh, nach so viel Socializing bei der Lesung, brauche ich direkt zwei Tage, um wieder in den Schreibflow zu kommen. Aber das ist ein sehr schöner Grund. Für mich jedenfalls war es ein wunderbarer Abend. Ich bin nun ein Monat hier. Habe das Kulturprogramm voll ausgenutzt und kenne die Routen durch den Schlosspark schon ziemlich gut, also ich sollte wohl mal beginnen, mich vorsichtig auszubreiten. Vielleicht schicke ich die Mauereidechsen vor, um mal die Lage zu checken. Es ist außerdem mein Geburtstagsmonat. Ihr bekommt mich also weiterhin gut gelaunt. Liegt vielleicht auch an den Unmengen an Kuchen, die ich verdrücken werde. Mehr davon nächste Woche.

Vom Schreibglück

Ich bin schon ein bisschen verliebt in Stuttgart. Vielleicht liegt es am Schnee oder daran, dass ich so viel schreibe. Da geht einfach nichts drüber. Den ganzen Tag im Text und irgendwann Mal die Nase rausstrecken, einen kleinen Spaziergang wagen, was zu Essen holen, bisschen Schwäbisch lauschen. Und weiterschreiben. Gedichte lesen. Ich frage mich, ob das die Menschen im Zahnarztservicecenter nebenan auch beruhigt, wenn sie mir beim schaffen zuschauen. Ich brauche ja Licht zum schreiben, nur ganz selten mit geschlossenen Vorhängen, wenn ich wirklich wirklich meine Ruhe brauche. Aber jetzt gibt’s ja Schnee vorm Fenster. Und es ist richtig kalt und Eis auf den Brunnen. Ach, ich bin wohl doch ein Winterkind.

Zum Wochenende habe ich noch eine Aufgabe für euch. Ihr könnt sie bis Dienstag lösen und mir dann bei der Lesung verraten, ob ihr es geschafft habt. Eine befreundete Band hat ein Musikvideo gedreht, in dem, Chili und ich beide vorkommen. Findet ihr uns?

Ekstase & Nymphen

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Ich weiß, es ist erst Mitte Jänner. Aber wie ist die Woche bitte schon wieder zu Ende? Ich hab ausnahmsweise Mal was unternommen. Sonne genossen, die Ekstase Ausstellung im Kunstmuseum besucht, in der Buchhandlung gewesen, sogar eine Postkarte verschickt. Sachen, die ich mir in Wien immer vornehme, aber dann nie mache. Apropos Wien. Es gibt hier einige Orte, die eine Namensverwandschaft aufweisen. Populärstes Beispiel, weil gleich ums Eck, ist der Karlsplatz. Der ist für mich einfach kein Karlsplatz. So ruhig und sauber. Ein bisschen fad, architektonisch gesehen. Sorry, ich bin in einer Kitschstadt aufgewachsen. Was ich dafür sehr toll finde, sind die Stuttgarter Brunnenfiguren. Besonders mag ich die Nymphen.

Woche 1

Erste Woche, Zeit um anzukommen, sich einzurichten, die erste Verkühlung loszuwerden. Liebe Freundinnen und Freunde, die mir ständig Schneefotos und Skifahrselfies schicken: Es schneit hier auch. Am Charlottenplatz bleibt zwar nicht viel liegen, aber ein paar Stationen weiter, kann man schon richtig schöne Schneespaziergänge machen. Das Wochenende kann also kommen. Den Soundtrack dazu hier: Chili Tomasson, der wunderbarerweise zu meiner Einstandslesung anreist. Ihr dürft euch auf was freuen!