Stuttgart liest ein Buch 2017

Schüler berichten – Ladenlesung bei „Ottilie“ am 19. Oktober 2017

Bei „Ottilie“ – © Wolfgang Tischer

Es ist sehr still. Kai und ich sitzen in einem Kreis von Leuten, die alle sehr konzentriert dem Vorleser zuhören. Na ja, zumindest fast alle. Seit Shida Bazyar selbst hereingekommen ist und sich dazu gesetzt hat, werfen einige der Leute kurze, beeindruckte Blicke auf die Autorin, die sich davon aber nicht ablenken lässt, sondern weiterhin zuhört. Vorgelesen wird das erste Kapitel des Romans, das aus der Perspektive des Revolutionärs Beshad erzählt wird. Obwohl Kai und Ich das Kapitel bereits gelesen haben, merken wir einen starken Unterschied. Ich kann mich dank der emotionalen Vortragsweise viel besser in das Jahr 1979 hineinversetzen und sehe richtig vor mir, wie Beshad sich im gelben Peugeot mit Tara unterhält.

Dieses Bild löst sich aber durch ein lautes Husten auf. Der Sprecher machte von Anfang an einen leicht erkälteten Eindruck. Er entschuldigt sich und verlässt das Zimmer, um sich die Nase zu schnäuzen und auf die Toilette zu gehen. Dadurch entsteht dann eine Pause, in der ich mir die anderen Leute ein bisschen genauer anschaue. Erst jetzt fällt mir auf, dass die meisten eher älter sind und wir beiden sogar die Jüngsten im Raum sind. Eine Frau, die neben uns sitzt, nutzt die Pause und spricht uns an. Sie will wissen, ob wir aufgrund eines Schulprojektes hier seien und wir kommen ins Gespräch. Sie erzählt uns, dass sie das Buch noch nicht kannte, es aber jetzt schon als sehr beeindruckend empfindet. Nachdem wir uns dann am kleinen Buffet bei Ottilie bedient haben, geht es auch schon weiter. 15 Minuten später verlässt Shida Bazyar den Raum und die neugierigen Blicke hören auf. Wir hatten keine Zeit uns mit ihr zu unterhalten, was eigentlich schade ist, da uns das einen kleinen Vorteil für das anstehende Autorinnengespräch am 20. Oktober verschafft hätte.

Das Kapitel endet mit Sohrabs Hochzeit und nachdem der Sprecher das Buch schließt, entsteht eine erwartungsvolle Stille. Man hat das Gefühl im Dunkeln gelassen zu werden, wie bei einem Cliffhänger. Mir ergeht es auch so, obwohl ich das Buch schon kenne. Dann steht aber ein Mitglied vom Schriftstellerhaus auf, nimmt das Mikrofon und gibt noch einige Bekanntmachungen und beendet die Lesung. Kai und ich unterhalten uns noch einige Minuten über die Lesung, bis wir zum Udo Snack gehen und einen Burger bestellen.

Johannes Kim