Stuttgart liest ein Buch 2017

Reportage – Gespräch über Feminismus heute am 18. Oktober 2017

Shida Bazyar (links) und Lena Vöcklinghaus im Stuttgarter Literaturhaus (Foto: Seehoff)
Shida Bazyar (links) und Lena Vöcklinghaus im Stuttgarter Literaturhaus (Foto: Seehoff)

Das Licht wird gedimmt, die Stimmen werden leiser und im Literaturhaus an der Liederhalle Stuttgart am 18.10.17 um 20.00 Uhr werden Shida Bazyar und Lena Vöcklingshaus von der Leiterin des Literaturhauses, Stefanie Stegmann, vorgestellt

Es wird über die Bedeutung von Literatur gesprochen und für mich sticht die Definition von Literatur als einem „Fadenzieher“ hervor. Auch das Bild von Literatur als einem „ Spiegel und Fenster“, die einerseits reflektieren, aber auch neue Wege zeigen können, beeindruckt mich.

Nachdem Shida Bazyar den Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ mit ihrer sanften und leisen Stimme vorstellt, habe ich das Gefühl, sie sei ein bisschen schüchtern. Dieser Eindruck verflüchtigt sich dann aber ganz schnell, denn sie liest eine Textstelle mit sicherer Stimme vor.

Dabei bemerke ich, dass die Namen der Personen anders ausgesprochen werden, als ich bisher dachte. Ich muss mich anstrengen, die Namen zuzuordnen. Es hilft mir, dass wir in unserer Klasse den Roman ausführlich besprochen haben.
Shida und Lena unterhalten sich vor allem über ihre Ausbildung am Literaturinstitut in Hildesheim und einen Workshop, bei dem man bei Aussagesätzen wie „Ich hatte früher kein eigenes Zimmer“ einen Schritt nach hinten machen musste, wenn es auf einen zutraf und sich nach weiteren ähnlich gearteten Fragen immer weiter aus dem ursprünglichen Kreis bewegte. Shida, die bei dem Workshop teilnahm, war über die unglaublich großen Unterschiede zu den Mitstudierenden schockiert, aber gleichzeitig froh, nicht die Einzige zu sein, die immer weiter zutreten musste. Durch die Schilderung dieses Erlebnisses von Shida habe ich selbst darüber nachgedacht, wo ich vermutlich stehen würde, und ich glaube, ich bin an diesem Abend nicht die Einzige, die durch Shidas Erzählung nachdenklich wird.

Außerdem bringen mich die Aussagen Shida Bazyars über Sexismus und Rassismus zum Nachdenken. Was hat sie erlebt? Sind wir Menschen in Deutschland tatsächlich so sexistisch und diskriminierend? Durch gelegentliche Patzer während der Publikumsdiskussion gibt es immer wieder große Lacher im Saal, was mich besonders freut, da dies die Veranstaltung lebendiger macht.

Der Schlagabtausch von Shida Bazyar und Lena Vöcklingshaus hört abrupt wegen einer hitzigen Diskussion zwischen mehreren Leuten im Publikum auf. Es geht um ein Gedicht von Eugen Gomringer „Avenidas“, das viele Jahre die Hauswand der Alice Salomon Hochschule Berlin zierte und dieser Tage zu einer hitzigen Diskussion um Sexismus führte. Lena Vöcklinghaus  als Moderatorin muss eingreifen, um sich wieder der eigentlichen Fragestellung zuzuwenden.

Während der Fragerunde, die sich an das Publikum wendet, werden viele verschiedene Fragen gestellt, wie zum Beispiel, warum sich Shida Bazyar als „Nicht-Weiße“ bezeichnet. Die Antwort darauf ist, dass die Autorin spürt, dass es nicht nur eine Frage nach ihrem Äußeren ist, sondern sich hinter einer solchen Frage eine rassistische Einstellung versteckt. Das bringt mich zum Nachdenken, wie leicht man selbst unüberlegt einen anderen Menschen nach seinem Aussehen einordnet.

Ich hoffe, dass dieses Thema noch lange im Gespräch bleibt.

Anni Seeger

Shida Bazyar (links) und Lena Vöcklinghaus im Stuttgarter Literaturhaus (Foto: Seehoff)
Shida Bazyar (links) und Lena Vöcklinghaus im Stuttgarter Literaturhaus (Foto: Seehoff)

Das Licht wird gedimmt, die Stimmen werden leiser und im Literaturhaus an der Liederhalle Stuttgart am 18.10.17 um 20.00 Uhr werden Shida Bazyar und Lena Vöcklingshaus von der Leiterin des Literaturhauses, Stefanie Stegmann, vorgestellt

Es wird über die Bedeutung von Literatur gesprochen und für mich sticht die Definition von Literatur als einem „Fadenzieher“ hervor. Auch das Bild von Literatur als einem „ Spiegel und Fenster“, die einerseits reflektieren, aber auch neue Wege zeigen können, beeindruckt mich.

Nachdem Shida Bazyar den Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ mit ihrer sanften und leisen Stimme vorstellt, habe ich das Gefühl, sie sei ein bisschen schüchtern. Dieser Eindruck verflüchtigt sich dann aber ganz schnell, denn sie liest eine Textstelle mit sicherer Stimme vor.

Dabei bemerke ich, dass die Namen der Personen anders ausgesprochen werden, als ich bisher dachte. Ich muss mich anstrengen, die Namen zuzuordnen. Es hilft mir, dass wir in unserer Klasse den Roman ausführlich besprochen haben.
Shida und Lena unterhalten sich vor allem über ihre Ausbildung am Literaturinstitut in Hildesheim und einen Workshop, bei dem man bei Aussagesätzen wie „Ich hatte früher kein eigenes Zimmer“ einen Schritt nach hinten machen musste, wenn es auf einen zutraf und sich nach weiteren ähnlich gearteten Fragen immer weiter aus dem ursprünglichen Kreis bewegte. Shida, die bei dem Workshop teilnahm, war über die unglaublich großen Unterschiede zu den Mitstudierenden schockiert, aber gleichzeitig froh, nicht die Einzige zu sein, die immer weiter zutreten musste. Durch die Schilderung dieses Erlebnisses von Shida habe ich selbst darüber nachgedacht, wo ich vermutlich stehen würde, und ich glaube, ich bin an diesem Abend nicht die Einzige, die durch Shidas Erzählung nachdenklich wird.

Außerdem bringen mich die Aussagen Shida Bazyars über Sexismus und Rassismus zum Nachdenken. Was hat sie erlebt? Sind wir Menschen in Deutschland tatsächlich so sexistisch und diskriminierend? Durch gelegentliche Patzer während der Publikumsdiskussion gibt es immer wieder große Lacher im Saal, was mich besonders freut, da dies die Veranstaltung lebendiger macht.

Der Schlagabtausch von Shida Bazyar und Lena Vöcklingshaus hört abrupt wegen einer hitzigen Diskussion zwischen mehreren Leuten im Publikum auf. Es geht um ein Gedicht von Eugen Gomringer „Avenidas“, das viele Jahre die Hauswand der Alice Salomon Hochschule Berlin zierte und dieser Tage zu einer hitzigen Diskussion um Sexismus führte. Lena Vöcklinghaus  als Moderatorin muss eingreifen, um sich wieder der eigentlichen Fragestellung zuzuwenden.

Während der Fragerunde, die sich an das Publikum wendet, werden viele verschiedene Fragen gestellt, wie zum Beispiel, warum sich Shida Bazyar als „Nicht-Weiße“ bezeichnet. Die Antwort darauf ist, dass die Autorin spürt, dass es nicht nur eine Frage nach ihrem Äußeren ist, sondern sich hinter einer solchen Frage eine rassistische Einstellung versteckt. Das bringt mich zum Nachdenken, wie leicht man selbst unüberlegt einen anderen Menschen nach seinem Aussehen einordnet.

Ich hoffe, dass dieses Thema noch lange im Gespräch bleibt.

Anni Seeger