Der Donnerstag markierte den dichtesten Programmtag von „Stuttgart schreibt“. Im Hospitalhof lud Theres Essmann zu der ganztägigen Schreibwerkstatt „Die Kunst des Älterwerdens“ ein.

Bild: Jelena Ćupić
Bei der Veranstaltung „Stuttgart beerdigt: Das Patriarchat“ stand die symbolische Beerdigung des Patriarchats im Mittelpunkt. Dafür wurden Grabreden verfasst, die am Abend bei der Beisetzung – oder vielmehr: der Lesung – im Glück im Quartier/Kultur im Kiosk vorgetragen wurden.
Parallel dazu versammelten sich Mitglieder des Stuttgarter Schriftstellerhauses zu „Stimmen von innen“. In den zuvor verfassten Texten griffen sie das Thema „Fiese Krise“ der Projektwoche auf und näherten sich ihm aus unterschiedlichen Perspektiven.
Sehr atmosphärisch war die Lesung „Ausnahmezustände“ im Brombeerschloss, bei der Mitglieder des Kollektivs Literally Peace unter der Leitung von Nena Tramountani selbstgeschriebene Texte vortrugen.
Mit Francis Fukuyama richtete sich der Blick schließlich auf die gegenwärtige Krise der Demokratie. In Kooperation mit dem Stuttgarter Literaturhaus war der Politikwissenschaftler im Hospitalhof zu Gast. Dort sprach er im voll besetzten Paul-Lechler-Saal über sein Buch „Der letzte Mensch. Wohin steuert die Welt?“. Dabei ging es um die Frage, wie es um die Demokratie bestellt ist und welche gesellschaftlichen Entwicklungen zu ihrer gegenwärtigen Krise beitragen.

Bild: Jelena Ćupić
Dabei sei der Kontakt und die Sympathie seitens Regierungen für die Arbeiter:innenschaft verloren gegangen. Diese soziale Distanz schläge sich als handfeste Krise der Gegenwart nieder. Regierungen, die die Lebenswelt der Bevölkerung weder sehen, noch anerkennen, würden zu Zweifel am Demokratischen führen. Nach der französischen Revolution und dem Mauerfall setzte sich zwar das Prinzip der Gleichberechtigung durch – jedoch würden Frieden, Wohlstand und die damit einhergehende gleiche Anerkennung aller gewissen Menschen nicht ausreichen. Diese „letzten Menschen“ (nach Nietzsche) möchten in bestimmter Hinsicht als überlegen gelten. Dadurch sehe sich die Demokratie stark bedroht.
Gibt es ein Gegenmodell, das sich künftig als besser erweisen könnte? Für Fukuyama bleibt es bisher bei einem klaren: Nein.
Text: Jelena Ćupić, Charlotte Feichtmair
Bild: Luisa Carmen, Jelena Ćupić


