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Nachtrag zur Lyriknacht 2022

Ronya Othmann © Astrid Braun
Ronya Othmann © Astrid Braun
Ronya Othmann bei der Stuttgarter Lyriknacht 2022, es moderiert Moritz Heger © Astrid Braun
Ronya Othmann bei der Stuttgarter Lyriknacht 2022, es moderiert Moritz Heger © Astrid Braun

Im Rahmen der Stuttgarter Lyriknacht hatte das Schriftstellerhaus Ronya Othmann eingeladen.
Ronya Othmann, geboren 1993 in München, studiert seit 2014 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie arbeitet als Autorin und Journalistin, schreibt Lyrik, Prosa und Essay. Einem breiteren Publikum wurde sie bekannt, als sie 2019 den Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb für ihren Text „Vierundsiebzig“ über den Genozid an den Jesiden erhielt. Atemlos folgte man damals ihrer Lesung entweder live im Studio oder an den Bildschirmen.

Ein Jahr später veröffentlichte Othmann den Roman „Die Sommer“, der auch den in Klagenfurt gelesenen Text enthält. Sie übergibt darin ihre Erinnerungen, ihre Eindrücke an Leyla, eine fiktive junge Frau, Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden, die jedes Jahr ihre Sommerferien bei den Großeltern auf dem Dorf in deren Heimat im Nord-Osten Syriens verbringt. Indirekt und über die Geschichten im Dorf – die jesidische Kultur lebt von der mündlichen Überlieferung – bekommt die junge Frau die  Zerstörung Aleppos, den Genozid an den Jesiden, die Gewalt durch den IS und die Truppen von Assad durch Erzählungen mit. All das steht so extrem im Kontrast zu ihren Schulerlebnissen in Deutschland.

Bei der Lyriknacht in Stuttgart ist Ronya Othmann mit ihrem Gedichtband „die verbrechen“ zu Gast. Ein Band, davon konnten die gelesenen Gedichte überzeugen, der den Roman weiterspinnt mit Texten von konziser Eindrücklichkeit. Das Weh, das dem Volk, der Natur, den sakralen Bauten zugefügt wurde, hat Othmann in einer rhythmisch-atemlosen Lyrik zum Klingen gebracht. Wir stellen uns vor, dass die Zeilen von Othmann als mündliche Wehklage überliefert werden. AB