Stuttgart liest ein Buch 2019

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    Stuttgart liest “Unter der Drachenwand” – Eröffnung im Hospitalhof

    Wir konnten es uns nicht besser wünschen: 800 Gäste fanden den Weg in den Hospitalhof, den noch die letzten Spätsommerstrahlen im Rosengarten wärmten.

    Im großen Saal des Hospitalhofes wurde am 16.09.2019 die diesjährige  Veranstaltungsreihe Stuttgart liest ein Buch unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Fritz Kuhn eröffnet.

    Der Platz im Parkett des Saals reichte nicht aus, die Empore musste geöffnet werden, um dem Ansturm Herr zu werden. Mehr als 800 Menschen kamen zu der Eröffnung. Pfarrerin Monika Renninger, Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart, begrüßt die Gäste aufs Herzlichste.

    Das Schriftstellerhaus Stuttgart zog wie immer die Fäden. Seine Geschäftsführerin Astrid Braun ist als Projektleiterin für diese Veranstaltungsreihe so etwas wie das dahinter steckende Mastermind. In ihrer Eröffnungsrede bedankte sie sich bei den Jury-Mitgliedern und allen beteiligten Institutionen der Stadt Stuttgart, ohne deren aktive Mitarbeit eine solch umfangreiche Reihe nicht auf die Beine zu stellen wäre.

    Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Fritz Kuhn hielt eine launige Rede, bestätigte die Hoffnung, “Stuttgart liest ein Buch” fest und verbindlich im Stuttgarter Kulturleben zu verankern.

    Kollege und Literaturspezialist Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de moderierte die Auftaktveranstaltung und stellte den vor “Glückseligkeit” mit den Armen rudernden Arno Geiger dem Publikum vor. Er führte mit österreichischen Autor Arno Geiger ein ausführliches Gespräch über seinen Roman Unter der Drachenwand und über seine Arbeit als Schriftsteller. Mehr als 10 Jahre hat Arno Geiger an diesem Roman gearbeitet.

    Omid Eftekhari las den Anfang des Romans “Unter der Drachenwand”, Arno Geiger ging in Gedanken nochmals den 10 Jahre dauernden Arbeitsprozess für die Niederschrift der “Drachenwand” durch.

    Arno Geiger: „Ich hatte vor vielen, vielen Jahren so einen Zufallsfund, die Korrespondenz eines Lagers, Kinderlandverschickung, Schwarzindien am Mondsee – die Kinderbriefe, Elternbriefe, Behördenbriefe –, und das hat alles in Gang gesetzt, also ein Zufall.”

    Das Lager Schwarzindien kam schon im Roman Es geht uns gut vor, für den Arno Geiger 2005 den erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis bekommen hat. Über die Drachenwand kommentierte Geiger: Er wollte einen Familienroman schreiben und ein dreidimensionales Bild vom Krieg zeigen. Ein Krieg, der in jeden Raum eingedrungen ist, in jede Verästlung der Gesellschaft.

    Den Autor interessierte nicht, wie der Zweite Weltkrieg retrospektiv gesehen wird, sondern er wollte erzählen, was nur ein Roman erzählen kann: wie könnte es sich für den kleinen Mann angefühlt haben im fünften, sechsten Kriegsjahr zu leben, also buchstäblich unter der Drachenwand. Und wie ergeht es einem Menschen, der sich „ins Bett des Teufels gelegt hat“ aus dem nur schwer wieder herauszufinden ist. Dazu hat Geiger O-Töne gelesen, Briefe, Tagebücher, Tausende Seiten. Das war dann das Fundament für den Roman. Als er das Gesamtbild des Romans in seinem Kopf entworfen hatte, schrieb er das Buch innerhalb von nur fünf Monaten.

    Seine Frau, eine Kinderärztin, bekam das Manuskript als erste zu lesen. Aber erst, wenn es aus Sicht von Arno Geiger fertig ist. „Ohne meine Frau wäre ich fast nichts“, gesteht der Autor, und lieferte damit einen wunderschönen Liebesbeweis.

    An ein neues Buch denke er nicht, meinte Arno Geiger, nachdem er den „Boden des Fasses erreicht“ hat, das aktuelle Buch ist immer das geliebteste.

    Als bewegenden Schlusspunkt dieser Eröffnung setzte Iris Meinhardt mit einer Puppe und sorgfältig ausgearbeiteten Videosequenzen die Geschichte der Annemarie Schaller, genannt Nanni, in Szene. Sie bewegte sich gewandt und synchron zu ihrer eigenen Projektion: Ihr Kollege, der Videokünstler Michael Krauss, legte das Figurenspiel über projezierte Bilder und Filme, so dass ein ungewöhnlicher Sog entstand und die Grenze zwischen Puppenspielerin, der Puppe und den Bildern verschwindet.

    Eingeleitet und abgerundet wurde der Abend durch das einfühlsame Zusammenspiel des Gitarristen Jörn Bähr und dem Kontrabassisten Thorsten Meinhardt, beide Mitglieder in der Band Ipanema Beach Hotel, die brasilianische Musik in jazzigem Gewand spielten.

    Astrid Braun und Michael Seehoff

    Einen weiteren Bericht zur Eröffnung finden Sie auf dem Blog von Michael Seehoff.

    Wir konnten es uns nicht besser wünschen: 800 Gäste fanden den Weg in den Hospitalhof, den noch die letzten Spätsommerstrahlen im Rosengarten wärmten.

    Im großen Saal des Hospitalhofes wurde am 16.09.2019 die diesjährige  Veranstaltungsreihe Stuttgart liest ein Buch unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Fritz Kuhn eröffnet.

    Der Platz im Parkett des Saals reichte nicht aus, die Empore musste geöffnet werden, um dem Ansturm Herr zu werden. Mehr als 800 Menschen kamen zu der Eröffnung. Pfarrerin Monika Renninger, Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart, begrüßt die Gäste aufs Herzlichste.

    Das Schriftstellerhaus Stuttgart zog wie immer die Fäden. Seine Geschäftsführerin Astrid Braun ist als Projektleiterin für diese Veranstaltungsreihe so etwas wie das dahinter steckende Mastermind. In ihrer Eröffnungsrede bedankte sie sich bei den Jury-Mitgliedern und allen beteiligten Institutionen der Stadt Stuttgart, ohne deren aktive Mitarbeit eine solch umfangreiche Reihe nicht auf die Beine zu stellen wäre.

    Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Fritz Kuhn hielt eine launige Rede, bestätigte die Hoffnung, “Stuttgart liest ein Buch” fest und verbindlich im Stuttgarter Kulturleben zu verankern.

    Kollege und Literaturspezialist Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de moderierte die Auftaktveranstaltung und stellte den vor “Glückseligkeit” mit den Armen rudernden Arno Geiger dem Publikum vor. Er führte mit österreichischen Autor Arno Geiger ein ausführliches Gespräch über seinen Roman Unter der Drachenwand und über seine Arbeit als Schriftsteller. Mehr als 10 Jahre hat Arno Geiger an diesem Roman gearbeitet.

    Omid Eftekhari las den Anfang des Romans “Unter der Drachenwand”, Arno Geiger ging in Gedanken nochmals den 10 Jahre dauernden Arbeitsprozess für die Niederschrift der “Drachenwand” durch.

    Arno Geiger: „Ich hatte vor vielen, vielen Jahren so einen Zufallsfund, die Korrespondenz eines Lagers, Kinderlandverschickung, Schwarzindien am Mondsee – die Kinderbriefe, Elternbriefe, Behördenbriefe –, und das hat alles in Gang gesetzt, also ein Zufall.”

    Das Lager Schwarzindien kam schon im Roman Es geht uns gut vor, für den Arno Geiger 2005 den erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis bekommen hat. Über die Drachenwand kommentierte Geiger: Er wollte einen Familienroman schreiben und ein dreidimensionales Bild vom Krieg zeigen. Ein Krieg, der in jeden Raum eingedrungen ist, in jede Verästlung der Gesellschaft.

    Den Autor interessierte nicht, wie der Zweite Weltkrieg retrospektiv gesehen wird, sondern er wollte erzählen, was nur ein Roman erzählen kann: wie könnte es sich für den kleinen Mann angefühlt haben im fünften, sechsten Kriegsjahr zu leben, also buchstäblich unter der Drachenwand. Und wie ergeht es einem Menschen, der sich „ins Bett des Teufels gelegt hat“ aus dem nur schwer wieder herauszufinden ist. Dazu hat Geiger O-Töne gelesen, Briefe, Tagebücher, Tausende Seiten. Das war dann das Fundament für den Roman. Als er das Gesamtbild des Romans in seinem Kopf entworfen hatte, schrieb er das Buch innerhalb von nur fünf Monaten.

    Seine Frau, eine Kinderärztin, bekam das Manuskript als erste zu lesen. Aber erst, wenn es aus Sicht von Arno Geiger fertig ist. „Ohne meine Frau wäre ich fast nichts“, gesteht der Autor, und lieferte damit einen wunderschönen Liebesbeweis.

    An ein neues Buch denke er nicht, meinte Arno Geiger, nachdem er den „Boden des Fasses erreicht“ hat, das aktuelle Buch ist immer das geliebteste.

    Als bewegenden Schlusspunkt dieser Eröffnung setzte Iris Meinhardt mit einer Puppe und sorgfältig ausgearbeiteten Videosequenzen die Geschichte der Annemarie Schaller, genannt Nanni, in Szene. Sie bewegte sich gewandt und synchron zu ihrer eigenen Projektion: Ihr Kollege, der Videokünstler Michael Krauss, legte das Figurenspiel über projezierte Bilder und Filme, so dass ein ungewöhnlicher Sog entstand und die Grenze zwischen Puppenspielerin, der Puppe und den Bildern verschwindet.

    Eingeleitet und abgerundet wurde der Abend durch das einfühlsame Zusammenspiel des Gitarristen Jörn Bähr und dem Kontrabassisten Thorsten Meinhardt, beide Mitglieder in der Band Ipanema Beach Hotel, die brasilianische Musik in jazzigem Gewand spielten.

    Astrid Braun und Michael Seehoff

    Einen weiteren Bericht zur Eröffnung finden Sie auf dem Blog von Michael Seehoff.