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Thomas Rosenlöcher verstorben

Gestern erreichte uns die Nachricht vom Tod von Thomas Rosenlöcher, der in seinem Heimatort Kreischa bei Dresden nach schwerer Krankheit, wie in der Presse zu lesen war, verstorben ist.
Und da finde ich sie, die Fotos von diesem so lebendigen, vor Geist und Witz so sprühenden Dichter, der 2015 die Wohnung im obersten Stockwerk vom Schriftstellerhaus als Stipendiat bewohnte, und mir gestattete, sein Arbeitsmaterial, zig sorgsam gespitzte Bleistifte (es waren aber auch Stummel dabei) abzulichten und einen Blick auf den Schreibtisch zu werfen, an dem er – meistens nachts – seine Texte be- und umarbeitete, bis er zufrieden war. Das trieb ihn in so manchen Nächten aus dem Bett wieder hin zum Schreibtisch und manchmal stolperte er noch ermattet und mit wirrem Haupthaar von der Nächte Arbeit die Treppe herunter.
Es waren schöne Monate für das Haus, denn für solche Dichter, bei ihm ist der Ausdruck wirklich angebracht, scheint das Haus sich zu neuer stolzer Statur aufzurichten, um ihnen eine Heimstatt zu gewähren.
Am 11. September 2015 präsentierte ihn das Schriftstellerhaus zusammen mit Carolin Callies anlässlich der Lyriknacht in der Stadtbibliothek. Er las aus dem Band „Hirngefunkel“, Insel-Bücherei Nr. 1369.
Es war wie der Titel schon vermuten lässt ein „funkelnder Abend“.

Zu seinem Gedenken nachfolgend aus dem Band „Hirngefunkel“:

Trauerfall

„Hier“, sagtest du, „unser Grab.“
„Gute Idee“, sagte ich.
Als ob unsre Knochen uns legitimierten,
wenn einst die Seele zum Schlüsselbein sprach:
„Von wannen bist du? Ich kenne dich nicht.“ –
Genausogut lagen wir jetzt schon da unten.
Und stahlen, einander mit Nachsicht gedenkend,
vom Nachbargrab Levkoje für dich
und Löwenmaul für mich:
Und schritten durch das Friedhofstor,
verfolgt von Auferstehungshüpfern.