Schreibchallenge: Wiederstände
Du bist jung und du schreibst? Dann zeig dein Können bei unserer aktuellen Schreibchallenge! Dieses Mal ist das Thema:
Wiederstände
Gegen den Strom ankämpfen oder sich treiben lassen? Mitgehen, weil man es möchte – oder weil man sich nicht halten kann? Da trifft Folgsamkeit auf Gruppenzwang, aber auch Widerwille auf Rebellion aus Prinzip.
Widerstand kann sichtbar sein, kaum messbar, laut oder unscheinbar. Manchmal schützt er, manchmal verhindert er Veränderung. Ist er ein Hindernis – oder eine notwendige Kraft, die Dinge überhaupt erst spürbar macht?
Format
Das Format ist ganz dir überlassen. Dein Text kann als Kurzgeschichte, Gedicht, Essay, innerer Monolog, Fragment oder persönliche Reflexion entstehen. Die maximale Länge beträgt 1.500 Wörter.
Abgabe
Bitte sende Deinen Text bis zum 31.01.2026 per E-Mail an:
jsh-schreibaufgaben@stuttgarter-schriftstellerhaus.de
Alternativ kannst du deinen Beitrag direkt über das Formular auf unserer Webseite hochladen.
Der ausgewählte Text wird auf unserer Webseite veröffentlicht.
Wichtig
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Wir wünschen dir viel Freude beim Schreiben und sind gespannt auf deinen Zugang zum Thema Widerstände.
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Gewinnertext der November/Dezember -Schreibchallenge mit dem Thema „Das Erhabene“:
Ich sehe rot von Alisa Sacharow
Ich sehe Rot. Ich denke, ich sehe Rot. Es muss Rot sein. Ich fühle den Wind
meinen Rücken streifen, wie jedes Mal in den Tagen des kurz vorbeischauenden
Sommers. Dieser fühlt sich an wie ein ganzes Leben, doch ich weiß, schon
morgen ist das endgültig vorbei. Trotz des lauwarmen Sommertages hinterlässt
der Wind einen eisigen Schauer.
Es müsste jetzt hell sein und die Sonne in ihrem Rot am Himmel erstrahlen. Ich
selbst müsste in diesem Augenblick auf dem Berg sein. Mit meinen Füßen, wohl
in meinen hellblauen Sandalen, taste ich die Erdoberfläche ab… Steine. Ich
horche wie sie hinunterrollen und fühle das Herz in meiner Brust schneller
schlagen. Das ist gut… denn das bedeutet, dass ich lebe und der Sommer ist
noch nicht vorbei. Ich will nicht von der Stelle weichen, so sehr mich diese
kleinen Kieselsteine auch ängstigen. Der Ort ist vermutlich schön für einen
Ausflug, doch ich fühle mich unwohl und will gehen.
„Kannst du mir helfen?“, frage ich ihn, obwohl ich es allmählich hasse, um Hilfe
zu bitten. Ich will runter, will nach Hause. Der Sonnenuntergang stimmt mich
noch trauriger und erinnert an das Unausweichliche…
Er ergreift meine Hand, wodurch ein Hauch von Wärme meinen Körper
durchströmt und sich in meine Zellen frisst, wie ein stiller Strom aus Licht, der
durch dunkle eisige Tiefen fließt. Ich beiße mir in die innere Wange.
„Möchtest du nicht hier oben bleiben? Ich weiß, du möchtest dem Himmel
nahe sein. Hier ist ein schöner Ort dafür.“, sagt er und ich spüre seinen Arm um
meine Taille gleiten. Er streichelt meine Haut, doch es fühlt sich nicht an wie
damals, als uns noch alle Zeit der Welt bevorstand. Damals, als wir noch von
nichts wussten und uns lediglich treiben ließen. Jetzt aber bin ich im Hier und
Jetzt und habe keine Erwartungen.
Wir beide begegneten uns erstmals Anfang des Sommers. Drei Monate sind
seither vergangen, doch es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen.
Er versucht zu helfen, doch seine Hilfe ist wie ein Pflaster auf einer Wunde, die
zu tief ist, um zu heilen.
„Der Himmel ist rot, wie du ihn magst.“, erinnert er mich und ich nicke stumm.
Ich kicke die Steine den vermutlich steilen Berg hinunter, doch höre sie nicht
aufprallen. „Es ist hoch.“, stelle ich nüchtern fest, doch diesmal bleibt er still.
Drei Monate und doch erfasst mich noch immer die Erinnerung an ihn bei
unserer ersten Begegnung.
Die Sonne müsste nun untergehen, ich wende mich in Richtung Westen. Ich
frage mich nach dem Warum? Warum führt er mich an diesen Ort erst jetzt und
nicht schon damals, als er mich erfreut hätte? Doch diese Frage behalte ich für
mich, den Grund für unser Dasein an diesem Ort hatte er bereits genannt.
„Ich denke, es wird dunkel. Wollen wir wieder runter?“ Ich weiß nicht, ob es
dunkel wird. Vielleicht ist das Rot längst verglüht, aber ich möchte mich an der
Farbe festhalten wie an einem Seil, das bei einem Sturm meine einzige Rettung
wäre.
„Du willst dort noch nicht hin, ich weiß, du willst nicht. Aber hier fühle ich mich
dir am nächsten, ich weiß ich werde morgen herkommen können, doch du wirst
schon dort sein. Ich werde dich spüren, werde an dich denken, denn ich weiß
du kommst dort hin. Du verdienst es nicht anders.“
Seine weichen Lippen berühren die linke Seite meiner Stirn und ich schließe die
Augen.
Nichts ist ausgedehnter als der Himmel, wie wir Menschen ihn uns ausmalen.
Und ich glaube daran, dass wir Menschen dorthin kommen, denn ich glaube an
das Gute.
Farben sind unendlich. Ihre Töne können ineinander gleiten. Farben sind etwas
Besonderes. Sie schmücken unser Leben.
Ich sehe Schwarz. Ich versuche Rot zu sehen, doch ich sehe Schwarz…
Gewinnertext der Oktober-Schreibchallenge mit dem Thema „Herz vs. Kopf“:
Herz vs. Kopf von Lydia Haderlang
Leise trabend nachts um 1
Getrieben in des Herbstes Dunst
Schreit das laue Herz vorbei
An mir, bezwingt den Geistesstrahl.
Nicht mehr Einsicht, unverwandt
Entfremden sich die zwei erneut.
Was einst Gefühl und Geist verband,
Ein Ich, ein bindend Medium,
Identität bricht auf und bannt
Sich selbst in die Zersplitterung.
Was neues, da, erweckt in sich,
Gefühl noch vor Erinnerung
Man muss! Man wird! Ein neuer Mensch!
Entgegen Geistes Willen.
Das Herz herrscht nun,
Verstandes Höhen,
Frei von jeder Sorge,
Im Gefühl gibt’s Gestern nur
Und Friede steht im Morgen.
Gewinnertext der Juni-Schreibchallenge mit dem Thema „Schimmer“:
Schimmer von Helena Bierbaum
Es hält sich am Leben
soviel: Es lebt
fast greifbar, nichts das bleibt.
zwischen zwei Sekunden. in dunklen Augen, Staub auf der Fensterritze. glänzende Haut.
Täuschung. Vielleicht Vorahnung, Bewegung im Stillstand.
etwas das haften bleibt.
nur soviel: es bleibt.
Gewinnertext der Mai-Schreibchallenge mit dem Thema „Kälte“:
Wände von Jonathan Meis
Um sieben Uhr am Eingang der U5,
Es sind nur zwei Stationen.
Er war pünktlich, wie immer, lehnte an
Die Nacht schlich um den Dunst der Zigarette
Und die Glut flackerte in mein Gesicht
Ich stand ihm gegenüber, den dicksten
Den rotesten, blausten und braunsten
Knutschfleck auf dem Hals.
Ich sagte: „Ich gehe.“
Er sagte: „Ich weiß.“
Ein letztes Mal blies er mir Rauch entgegen
Es stank, wie immer, doch störte mich nicht.
Die stiebenden Flocken formten die Wand, die sich weiß über uns legte
Zwischen uns legte
Und mit dem Rauch und mit den Flocken verschwand auch ich.

