Stuttgart liest ein Buch 2019

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    Die Nebenhandlungen entfalten ihre Kraft durch das Sprecherduo Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer

    Neben Veit Kolbe und Margot gibt es noch weitere Charaktere in Arno Geigers Roman “Unter der Drachenwand”. In 3 Lesungen an unterschiedlichen Orten widmeten sich Wolfgang Tischer und Lilian Wilfart diesen Figuren, die in Intensität den Hauptfiguren und -handlungen in nichts nachstehen: Der Brasilianer, Bruder der Quartiersfrau und unangepasster Rückkehrer aus Brasilien, der mit seiner politischen Meinung nicht hinter dem Berg hält. Annemarie Schaller, verliebt in ihren Cousin Kurt, der ihr Liebesbriefe ins Lager Schwarzindien schreibt sowie die Mutter der Darmstädterin, die ihrer Tochter in Mondsee von den Bombennächten in Darmstadt berichtet und nicht zu vergessen Oskar Meyer, der aus der Possingergasse in Wien, Heimat von Veit Kolbe, mit seiner Familie nach Budapest flieht, nicht ahnend, was sie dort erwarten wird.

    Im Dorotheenquartier

    Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer hatten Glück: die letzten Sonnenstrahlen erwärmten die in Liegestühlen sitzenden Zuhörerinnen und Zuhörer auf der Freifläche des Dorotheenquartiers. So konnten sie einem völlig entspannten Publikum eine „Nebenfigur“ aus Arno Geigers Roman “Unter der Drachenwand” vorstellen: Den Brasilianer. Ihn hat es, genau wie die Hauptfigur Veit Kolbe, an den Mondsee unter die Drachenwand verschlagen. Hier züchtet der Brasilianer Orchideen und Tomaten in seinem Gewächshaus. Veit ist zur Rekonvaleszenz von der Ostfront hierher gekommen, er hat ein Zimmer bei der Schwester des Brasilianers bekommen und es entspannt sich eine zarte Liebesbeziehung zu seiner Zimmernachbarin Margot, einer jungen Frau, die aus dem schwer bombardierten Darmstadt hierher geflohen ist, Sicherheit vor dem Krieg suchend, für sich und ihr Baby.
    In dem Romanauszug, der von Wolfgang Tischer und Lilian Wilfart gelesen wird, ist natürlich auch von Musik die Rede, lateinamerikanische Rhythmen ertönen im Gewächshaus, als Veit den Brasilianer dort besucht. Von der Bühne lassen drei Mitglieder der Band Ipanema Beach Hotel brasilianische Klänge ertönen, die Sängerin Jeschi Paul intoniert in Originalsprache Portugiesisch sanfte, rhythmische Melodien. Ab und an sieht man einen wippenden Fuß… Dank an die Buchhandlung Hugendubel und das Dorotheenquartier.

    Im Augustinum

    “Kennst Du die Berge jetzt beim Namen?” fragt Kurt seine Freundin Nanni in einem seiner Briefe voller Vorfreude auf die gemeinsame Ersteigung der Drachenwand. Bei dieser Veranstaltung im Augustinum Killesberg lasen Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer, wie sich Veit Kolbe und Nanni kennenlernen. Die Zuhörerinnen erfuhren von ihrer Liebe zu ihrem Cousin Kurt, die von ihrer Mutter missbilligt wird. Aus den Briefen Kurtis an Nanni, in denen er ihr immer wieder Mut macht und von zu Hause erzählt, spricht seine große Liebe, die sich letztendlich nie erfüllen wird. Gebannt lauschte das Publikum der Lesung bis zu ihrem bewegenden Ende und das Duo erhielt viel positiven Zuspruch danach.

    Im Tiefbunker Feuerbach

    Einige Gäste dieses Vormittags mussten noch am Hochbunker abgeholt werden, weil der Tiefbunker so versteckt hinter der Strassenbahnhaltestelle liegt, daß sie ihn nicht gefunden hatten und so begann die Lesung ein paar Minuten später. Rolf Zielfleich vom Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. gab eine kurze Einführung in die Geschichte des Tiefbunkers, bevor er das Wort an unser Sprecherduo übergab.

    Die Briefe von Margots Mutter (gelesen von Lilian Wilfart), in denen sie von der Alltäglichkeit des Todes und der ständigen Ungewissheit, ob Freunde und Bekannte noch am Leben sind, die nur wenige Häuserblocks entfernt lebten, entwickelten in der Enge und Stickigkeit des Tiefbunkers eine besondere Wucht. Manch einer im Publikum war sicher froh, dass das gedämpfte Rumpeln, das von oben durch die 1,70 m dicke Decke zu hören war, von einer Strassenbahn und nicht von Flugzeugen herrührte.

    Aber auch die Aufzeichnungen von Oskar Meyer (gelesen von Wolfgang Tischer), der mit seiner Familie vor der Verfolgung nach Budapest flieht, gingen unter die Haut. Das Gefühl vermeintlicher Sicherheit währt für die dreiköpfige Familie nur kurz, und als die Nachricht eintrifft, dass die deutschen Truppen nach Ungarn eingefallen sind, muss sie in den Untergrund abtauchen. Manch einem im Publikum standen die Tränen in den Augen, als diese eindrückliche Lesung nach knapp zwei Stunden zu Ende war.
                                                                         Susanne Martin und Michael Seehoff

    Einen weiteren Bericht zur Lesung im Dorotheenquartier finden Sie im Blog von Michael Seehoff, ebendort auch ein weiterer Bericht zur Bunkerlesung.

    Neben Veit Kolbe und Margot gibt es noch weitere Charaktere in Arno Geigers Roman “Unter der Drachenwand”. In 3 Lesungen an unterschiedlichen Orten widmeten sich Wolfgang Tischer und Lilian Wilfart diesen Figuren, die in Intensität den Hauptfiguren und -handlungen in nichts nachstehen: Der Brasilianer, Bruder der Quartiersfrau und unangepasster Rückkehrer aus Brasilien, der mit seiner politischen Meinung nicht hinter dem Berg hält. Annemarie Schaller, verliebt in ihren Cousin Kurt, der ihr Liebesbriefe ins Lager Schwarzindien schreibt sowie die Mutter der Darmstädterin, die ihrer Tochter in Mondsee von den Bombennächten in Darmstadt berichtet und nicht zu vergessen Oskar Meyer, der aus der Possingergasse in Wien, Heimat von Veit Kolbe, mit seiner Familie nach Budapest flieht, nicht ahnend, was sie dort erwarten wird.

    Im Dorotheenquartier

    Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer hatten Glück: die letzten Sonnenstrahlen erwärmten die in Liegestühlen sitzenden Zuhörerinnen und Zuhörer auf der Freifläche des Dorotheenquartiers. So konnten sie einem völlig entspannten Publikum eine „Nebenfigur“ aus Arno Geigers Roman “Unter der Drachenwand” vorstellen: Den Brasilianer. Ihn hat es, genau wie die Hauptfigur Veit Kolbe, an den Mondsee unter die Drachenwand verschlagen. Hier züchtet der Brasilianer Orchideen und Tomaten in seinem Gewächshaus. Veit ist zur Rekonvaleszenz von der Ostfront hierher gekommen, er hat ein Zimmer bei der Schwester des Brasilianers bekommen und es entspannt sich eine zarte Liebesbeziehung zu seiner Zimmernachbarin Margot, einer jungen Frau, die aus dem schwer bombardierten Darmstadt hierher geflohen ist, Sicherheit vor dem Krieg suchend, für sich und ihr Baby.
    In dem Romanauszug, der von Wolfgang Tischer und Lilian Wilfart gelesen wird, ist natürlich auch von Musik die Rede, lateinamerikanische Rhythmen ertönen im Gewächshaus, als Veit den Brasilianer dort besucht. Von der Bühne lassen drei Mitglieder der Band Ipanema Beach Hotel brasilianische Klänge ertönen, die Sängerin Jeschi Paul intoniert in Originalsprache Portugiesisch sanfte, rhythmische Melodien. Ab und an sieht man einen wippenden Fuß… Dank an die Buchhandlung Hugendubel und das Dorotheenquartier.

    Im Augustinum

    “Kennst Du die Berge jetzt beim Namen?” fragt Kurt seine Freundin Nanni in einem seiner Briefe voller Vorfreude auf die gemeinsame Ersteigung der Drachenwand. Bei dieser Veranstaltung im Augustinum Killesberg lasen Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer, wie sich Veit Kolbe und Nanni kennenlernen. Die Zuhörerinnen erfuhren von ihrer Liebe zu ihrem Cousin Kurt, die von ihrer Mutter missbilligt wird. Aus den Briefen Kurtis an Nanni, in denen er ihr immer wieder Mut macht und von zu Hause erzählt, spricht seine große Liebe, die sich letztendlich nie erfüllen wird. Gebannt lauschte das Publikum der Lesung bis zu ihrem bewegenden Ende und das Duo erhielt viel positiven Zuspruch danach.

    Im Tiefbunker Feuerbach

    Einige Gäste dieses Vormittags mussten noch am Hochbunker abgeholt werden, weil der Tiefbunker so versteckt hinter der Strassenbahnhaltestelle liegt, daß sie ihn nicht gefunden hatten und so begann die Lesung ein paar Minuten später. Rolf Zielfleich vom Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. gab eine kurze Einführung in die Geschichte des Tiefbunkers, bevor er das Wort an unser Sprecherduo übergab.

    Die Briefe von Margots Mutter (gelesen von Lilian Wilfart), in denen sie von der Alltäglichkeit des Todes und der ständigen Ungewissheit, ob Freunde und Bekannte noch am Leben sind, die nur wenige Häuserblocks entfernt lebten, entwickelten in der Enge und Stickigkeit des Tiefbunkers eine besondere Wucht. Manch einer im Publikum war sicher froh, dass das gedämpfte Rumpeln, das von oben durch die 1,70 m dicke Decke zu hören war, von einer Strassenbahn und nicht von Flugzeugen herrührte.

    Aber auch die Aufzeichnungen von Oskar Meyer (gelesen von Wolfgang Tischer), der mit seiner Familie vor der Verfolgung nach Budapest flieht, gingen unter die Haut. Das Gefühl vermeintlicher Sicherheit währt für die dreiköpfige Familie nur kurz, und als die Nachricht eintrifft, dass die deutschen Truppen nach Ungarn eingefallen sind, muss sie in den Untergrund abtauchen. Manch einem im Publikum standen die Tränen in den Augen, als diese eindrückliche Lesung nach knapp zwei Stunden zu Ende war.
                                                                         Susanne Martin und Michael Seehoff

    Einen weiteren Bericht zur Lesung im Dorotheenquartier finden Sie im Blog von Michael Seehoff, ebendort auch ein weiterer Bericht zur Bunkerlesung.