Das junge Schriftstellerhaus

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    Enny Alberti: “Nichts als wir”

    Enny Alberti Foto: Jan Münster

    Enny Alberti: Nichts als wir

    Wieso genau sitze ich jetzt hier? Wieso ich? Wer hat mich hierhin gesetzt? Ich mich selbst, oder doch viel mehr das mich leitende Schicksal? Man weiß so vieles nicht und wird es wahrscheinlich auch nie erfahren. Ich denke, es gibt einen Teil des menschlichen Daseins, den wir nicht erforschen können, vielleicht sogar nicht erforschen sollen, wer weiß das schon. Vielleicht ist das auch gut so. Weshalb, frage ich mich, ist es wichtig, ein „gutes“ Leben zu führen, zu funktionieren und – vor allen Dingen – zu leben? Selbstverständlich, wir Menschen funktionieren nicht allein, sind voneinander abhängig, unser System läuft  wie  ein Ameisenhaufen. Aber ich frage nicht nach dem Wozu, sondern: Warum? Warum haben wir Gefühle? Ja, um biologisch gesehen nötige Beziehungen einzugehen, aber was hat das mit all dem außerhalb zu tun? Welche Bedeutung habe ich für das große Weite da draußen. Was bedeute ich? Woher kam die Idee, humane Wesen auf den Planeten Erde zu setzen, damit sie ihn nach Belieben nutzen und zerstören können? Diesem Gedankengang nach zu urteilen sind wir dazu verdammt, uns selbst zu Nichte zu machen. Ob das eine sinnvolle Aktion ist, darüber kann man sich wohl streiten. Es könnte aber auch sein, dass wir nur eine Kopie dutzend anderer, exakt gleicher Planeten samt Bevölkerung sind. Wäre das nicht gruselig? Was, wenn genau dieser Text schon einmal vor, sagen wir fünf Milliarden Jahren, von genau derselben, aber doch nicht derselben, verfasst wurde? Welches System steckt dann hinter unserer Existenz? Es sind so viele Fragen, für viele sind sie unbedeutend, wahrscheinlich sind sie das im Endeffekt auch, für wen sind diese Fragen schon relevant. Für wen sind wir relevant? Wenn wir im Nichts schwimmen, für wen oder was sollten wir wichtig sein? Wir sind so winzig, vollgestopft mit persönlichen Problemen, hin und her rennend unterwegs, dann haben wir gelebt – und dann? Was, wenn das Nichts, welches sich keiner vorstellen kann, wir sind? Vielleicht war die Definition für das Nichts schon immer da und wir waren wie immer nur zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um dies zu erkennen? Wohl oder übel müssen wir da wahrscheinlich durch, ohne eine Antwort auf all die Fragen, die ich gerade gestellt habe. Ohne zu wissen, wonach ich frage, wenn ich nach dem Nichts suche. Mir Gedanken machend, wie alles weitergeht, ob es weitergeht. Es könnte ja auch sein, dass gerade das Gegenteil meiner angestellten Überlegungen der Wahrheit entspricht. Wenn es nur uns gibt, wenn wir die Hauptrolle in diesem mysteriösen Theaterstück spielen. Wenn die Erde die einzige Datei eines Spiels ist, die gespielt werden kann. Mit voraussehbarem Ende natürlich. Sonst wäre es ja langweilig.

    © Enny Alberti 2020

    Gefördert vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart

    Enny Alberti Foto: Jan Münster

    Enny Alberti: Nichts als wir

    Wieso genau sitze ich jetzt hier? Wieso ich? Wer hat mich hierhin gesetzt? Ich mich selbst, oder doch viel mehr das mich leitende Schicksal? Man weiß so vieles nicht und wird es wahrscheinlich auch nie erfahren. Ich denke, es gibt einen Teil des menschlichen Daseins, den wir nicht erforschen können, vielleicht sogar nicht erforschen sollen, wer weiß das schon. Vielleicht ist das auch gut so. Weshalb, frage ich mich, ist es wichtig, ein „gutes“ Leben zu führen, zu funktionieren und – vor allen Dingen – zu leben? Selbstverständlich, wir Menschen funktionieren nicht allein, sind voneinander abhängig, unser System läuft  wie  ein Ameisenhaufen. Aber ich frage nicht nach dem Wozu, sondern: Warum? Warum haben wir Gefühle? Ja, um biologisch gesehen nötige Beziehungen einzugehen, aber was hat das mit all dem außerhalb zu tun? Welche Bedeutung habe ich für das große Weite da draußen. Was bedeute ich? Woher kam die Idee, humane Wesen auf den Planeten Erde zu setzen, damit sie ihn nach Belieben nutzen und zerstören können? Diesem Gedankengang nach zu urteilen sind wir dazu verdammt, uns selbst zu Nichte zu machen. Ob das eine sinnvolle Aktion ist, darüber kann man sich wohl streiten. Es könnte aber auch sein, dass wir nur eine Kopie dutzend anderer, exakt gleicher Planeten samt Bevölkerung sind. Wäre das nicht gruselig? Was, wenn genau dieser Text schon einmal vor, sagen wir fünf Milliarden Jahren, von genau derselben, aber doch nicht derselben, verfasst wurde? Welches System steckt dann hinter unserer Existenz? Es sind so viele Fragen, für viele sind sie unbedeutend, wahrscheinlich sind sie das im Endeffekt auch, für wen sind diese Fragen schon relevant. Für wen sind wir relevant? Wenn wir im Nichts schwimmen, für wen oder was sollten wir wichtig sein? Wir sind so winzig, vollgestopft mit persönlichen Problemen, hin und her rennend unterwegs, dann haben wir gelebt – und dann? Was, wenn das Nichts, welches sich keiner vorstellen kann, wir sind? Vielleicht war die Definition für das Nichts schon immer da und wir waren wie immer nur zu sehr mit uns selbst beschäftigt, um dies zu erkennen? Wohl oder übel müssen wir da wahrscheinlich durch, ohne eine Antwort auf all die Fragen, die ich gerade gestellt habe. Ohne zu wissen, wonach ich frage, wenn ich nach dem Nichts suche. Mir Gedanken machend, wie alles weitergeht, ob es weitergeht. Es könnte ja auch sein, dass gerade das Gegenteil meiner angestellten Überlegungen der Wahrheit entspricht. Wenn es nur uns gibt, wenn wir die Hauptrolle in diesem mysteriösen Theaterstück spielen. Wenn die Erde die einzige Datei eines Spiels ist, die gespielt werden kann. Mit voraussehbarem Ende natürlich. Sonst wäre es ja langweilig.

    © Enny Alberti 2020