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Weihnachtsempfehlung von Gudrun Vogel: Sasha Marianna Salzmann, „Im Menschen muss alles herrlich sein“

In unserer Reihe „Weihnachtsempfehlungen“ ist Gudrun Vogel an der Reihe, die uns den Roman „Im Menschen muss alles herrlich sein“ von Sasha Marianna Salzmann empfiehlt.

Cover-Salzmann
Cover-Salzmann

Der erste Teil des Romans sind der Kindheit, Jugend und dem Berufseinstieg der jungen Lena zu Beginn der 70er Jahre in der Ukraine/Sowjetunion gewidmet.

Salzmann gelingt eine spannende und bildhafte Schilderung der durch Armut, Chaos und Korruption geprägten Zeit, die sich für die Menschen auch durch die Perestroika nicht gebessert hat. Eindrucksvoll und beklemmend ist an der Geschichte Lenas nachempfindbar, wie Menschen sich mit einem totalitären System abfinden, mitspielen, weil sie sich letztendlich der Ungerechtigkeit nicht entziehen können.

Die jüdische Abstammung von Lenas Mann macht eine Ausreise in den 90er Jahren ins ostdeutsche Jena möglich. Der Neuanfang im Westen wird im Wesentlichen aus der Perspektive von Lenas Tochter Edi reflektiert. Die lesbische junge Frau distanziert sich von der russischen Community, die immer noch durchscheinenden Denkmuster und Verhaltensweisen der entwurzelten Elterngeneration sind ihr peinlich. Mit in den Westen ging auch Lenas Freundin Tatjana, die ihrerseits Mutter von Nina ist. So sind zwei Mütter, die die Erfahrung von Emigration und mangelnde Integration gemacht haben, und ihre beiden Töchter, in denen das Schicksal der Mütter weiter arbeitet und die nur unzureichend miteinander ins Gespräch gekommen sind, in ein spannungsreiches Quartett verwoben.

Die unterschiedlichen Perspektiven erlauben anschauliche und lebendige Einblicke in das Leben zweier Mütter und Töchter. Dabei verzichtet Salzmann auf jede Form der Anklage an die jeweiligen Verhältnisse, sie schildert das Leben und Alltag für Leser:innen und Hörer:innen plastisch und besonders im ersten Teil sinnlich erfahrbar.

Sasha Marianna Salzmann: „Im Menschen muss alles herrlich sein“. Suhrkamp Verlag, Berlin, 384 Seiten, 24 Euro

In unserer Reihe "Weihnachtsempfehlungen" ist Gudrun Vogel an der Reihe, die uns den Roman "Im Menschen muss alles herrlich sein" von Sasha Marianna Salzmann empfiehlt.
Cover-Salzmann
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Der erste Teil des Romans sind der Kindheit, Jugend und dem Berufseinstieg der jungen Lena zu Beginn der 70er Jahre in der Ukraine/Sowjetunion gewidmet. Salzmann gelingt eine spannende und bildhafte Schilderung der durch Armut, Chaos und Korruption geprägten Zeit, die sich für die Menschen auch durch die Perestroika nicht gebessert hat. Eindrucksvoll und beklemmend ist an der Geschichte Lenas nachempfindbar, wie Menschen sich mit einem totalitären System abfinden, mitspielen, weil sie sich letztendlich der Ungerechtigkeit nicht entziehen können. Die jüdische Abstammung von Lenas Mann macht eine Ausreise in den 90er Jahren ins ostdeutsche Jena möglich. Der Neuanfang im Westen wird im Wesentlichen aus der Perspektive von Lenas Tochter Edi reflektiert. Die lesbische junge Frau distanziert sich von der russischen Community, die immer noch durchscheinenden Denkmuster und Verhaltensweisen der entwurzelten Elterngeneration sind ihr peinlich. Mit in den Westen ging auch Lenas Freundin Tatjana, die ihrerseits Mutter von Nina ist. So sind zwei Mütter, die die Erfahrung von Emigration und mangelnde Integration gemacht haben, und ihre beiden Töchter, in denen das Schicksal der Mütter weiter arbeitet und die nur unzureichend miteinander ins Gespräch gekommen sind, in ein spannungsreiches Quartett verwoben. Die unterschiedlichen Perspektiven erlauben anschauliche und lebendige Einblicke in das Leben zweier Mütter und Töchter. Dabei verzichtet Salzmann auf jede Form der Anklage an die jeweiligen Verhältnisse, sie schildert das Leben und Alltag für Leser:innen und Hörer:innen plastisch und besonders im ersten Teil sinnlich erfahrbar. Sasha Marianna Salzmann: "Im Menschen muss alles herrlich sein". Suhrkamp Verlag, Berlin, 384 Seiten, 24 Euro