Schöpferisch und friedlich war mein Leben im Schriftstellerhaus. Mit Schwermut verlasse ich den Ort.

— Fuad Rifka, Lyriker, Hölderlin-Spezialist aus Beirut, 2002

Lyrik am Haus

Neben dem Gedicht: Moritz Heger und Astrid Braun© Stuttgarter Schriftstellerhaus

Seit dem 27. Mai 2019 gibt es bei uns Literatur und Lyrik nicht mehr nur im Haus, sondern auch am Haus. Seit  diesem Tag nämlich ziert eine großzügige Fassadenfolie die Hausfront, auf der ein Gedicht unserer ersten Lyrik – Stipendiatin Katharina J. Ferner zu lesen ist:

du hast dich den tieren verschrieben

vorwiegend den vögeln

während mir eher die kriechtiere am herzen liegen

beschauliche beutetiere

ich ahne schon wie das für mich ausgehen wird

verschlungen verschluckt ver-

stopfte arterien

das leben war sicherer

bevor ich dich traf

von dir verschnabelt

(stückweise)

©Katharina Ferner

Diese “Kunst am Bau” soll zeigen, was sich seit 1983 im Stuttgarter Schriftstellerhaus tut: Mehr als 120 Stipendiatinnen und Stipendiaten haben hier für jeweils drei Monate gewohnt und gearbeitet. Die Zuwendung, mit der uns unsere 2017 verstorbene Ehrenvorsitzende Dr. Ruth Theil, Lebensgefährtin von Johannes Poethen, Lyriker, SWR-Redakteur und Gründer des Stuttgarter Schriftstellerhauses, bedacht hat, ermöglicht es uns, 2019 zum ersten Mal zwei gut dotierte Lyrikstipendien aus eigenen Mittel zu vergeben. Auf Katharina J. Ferner folgte Kathrin Schmidt, die noch bis Ende Juni bei uns leben und arbeiten wird.

“Schreiben macht wenig Krach und ist auch nicht sehr bunt. Dem schönen schlichten und wirklichen alten Haus sieht man nicht an, was seit so vielen Jahren in ihm passiert.” sagt Astrid Braun. Das wollen wir mit unserer Fassadenfolie ändern und freuen uns, daß wir dafür auch die Genehmigung den Denkmalamtes bekommen konnten.

© Text und Bilder: Stuttgarter Schriftstellerhaus

Susanne Martin

Neueste Artikel von Susanne Martin (alle ansehen)

1 Kommentar zu Lyrik am Haus